Ich war noch niemals…

25 01 2011

…in Feuerland. Tja und das wird die nächste Zeit auch wohl so bleiben, aber dazu später mehr.

Am Tag nach unserer Gletschertour hieß unser Ziel erst mal El Chaltén, ein Ort mit ca. 1.600 Einwohnern (im Sommer, im Winter sind’s nur 600!) und einer wahrlich langen Dorfgeschichte von 24 Jahren! El Chaltén ist quasi die Wanderhauptstadt Argentiniens und liegt zu Füßen des bekannten Fitz Roy Massivs. Noch nie gehört? Macht nichts…in jedem Fall bietet die Gegend tolle Wanderwege und das ist genau das Richtige für uns.

Wir nehmen also den Bus von El Calafate und ca. 3 Stunden später sind wir auch schon da. Wie, so kurz? Ja, auch das geht in Südamerika. Also raus aus dem Bus, Unterkunft suchen und die Wanderschuhe schnüren…aber…wir finden keine Unterkunft! Alles ist ausgebucht, das haben wir natürlich nicht erwartet. Da wir bisher in ganz Argentinien trotz Hochsaison immer problemlos ein Bettchen fanden, haben wir auch hier nicht im Voraus gebucht. Also was tun? Wieder zurück nach El Calafate und insgesamt sechs Stunden umsonst im Bus? Nööööö! Wir leihen uns also ein Zelt und zwei Isomatten (der Schlafsack ist ja im Rucksack) und verbringen eine gemütliche Nacht im Zelt, wobei wir nachts wieder die patagonischen Winde zu spüren bekommen, die kräftig an unserem Häuschen rütteln und ordentlich durch die Straßen pusten.

Den folgenden Tag nutzen wir zur einer tollen Wanderung rund um den Fitz Roy und Cerro Torre. Leider spielt das Wetter nicht ganz mit und die Bergspitzen verstecken sich meistens hinter dicken Wolken (zum Glück hatten sie uns am Vortag schon bei Sonnenschein begrüßt). Schade, aber die patagonische Berglandschaft gefällt uns auch so wirklich sehr gut und nach knapp 7 Stunden Wanderung fallen wir abends todmüde in unsere Betten (!), denn wir waren für den zweiten Tag so clever uns haben uns am Tag zuvor eine Unterkunft gebucht. Wir sind doch mal zwei Füchse, oder? 🙂

Am nächsten Morgen regnet es in Strömen und wir entscheiden uns dazu mittags die Rückreise nach El Calafate anzutreten. Wir haben ja auch noch vor im Torres del Paine zu wandern…

Die Tickets für die Weiterreise nach Puerto Natales (Chile) sind schnell gebucht und wir freuen uns auf eines der Highlights einer Südamerika-Reise, den Nationalpark Torres del Paine! Anscheinend hat die Regierung im Süden Chiles allerdings etwas dagegen, denn in der Region Magellanes wurden die Gas- und Spritpreise um schlappe 17% erhöht. Das kennen wir bei uns aus der Ferienzeit, oder? Was wir allerdings nicht kennen, ist dass die Leute deshalb auf die Straße gehen, Blockaden errichten, Grenzübergänge sperren und Reifen anzünden…die Region im Süden Chiles ist für Tage von der Außenwelt abgeschnitten. Das hat dann zur Folge dass Lebensmittel knapp werden, Geschäfte schließen und das Rote Kreuz Notunterkünfte für gestrandete Touristen errichtet. Wir verschieben unsere Weiterreise also vorerst und verfolgen gespannt die Nachrichten, müssen aber dann nach zwei Tagen einsehen, dass eine Reise in den Süden inklusive Feuerland zurzeit nicht möglich ist (unser Bus fährt gar nicht erst los!). Außerdem wartet unser Weiterflug nach Neuseeland sicherlich nicht in Santiago auf uns. Die Enttäuschung ist natürlich groß, keine große Wanderung im Nationalpark, nicht nach Feuerland, aber was will man machen. Die Proteste dauerten die nächsten Tage auch weiter an.

Aber wohin nun? Wir mussten ja eh in Richtung Norden, dann eben ein paar Tage früher. Nach Auskunft unseres Reiseführers und vieler Rucksackreisender soll die „legendäre“ Ruta 40 ein tolles Abenteuer sein. Die Straße führt vom Süden Argentiniens wieder in den Norden Patagoniens und ist nicht geteert. Wir fahren also wieder Bus, 15 Stunden mit Ziel Perito Moreno (der Ort, nicht wieder zum Gletscher). Die gesamte Reise über die Ruta 40 dauert knapp 40 Stunden (heißt die Straße vielleicht deshalb so?), wir legen einen Stopp ein nach 15 Stunden. Wir planen eine Nacht in Perito Moreno und wollen am Morgen mit dem nächsten Bus weiterfahren. Aber am folgenden Nachmittag sitzen wir dann plötzlich in Chile! Ja, ihr lest richtig. Für uns war die Busfahrt nicht so der Knaller, die Aussicht ist mitten in der Nacht meist mäßig und ungeteerte Straßen hatten wir in Bolivien schließlich jede Menge. Also nehmen wir spontan in Perito Moreno den Bus nach Chile (die Grenze ist hier nur 45 Minuten entfernt). Wir verbringen drei schöne Tage in Chile Chico am Lago General Carrera, dem zweitgrößten See Südamerikas (auf der argentinischen Seite heißt der übrigens Lago Buenos Aires, die Grenze verläuft durch den See!). Ganz in der Nähe liegt auch das Reservat Nacional Jeinemeni. Dieser kleinere Nationalpark wird jedes Jahr von ganzen 300 Touristen besucht (nein, wir haben keine null vergessen). Nach einem wirklich tollen Tag im Reservat können wir nun wirklich nicht verstehen warum, ein echter Geheimtipp wie euch die Bilder vielleicht verraten. Also wenn ihr mal in der Ecke seid… 😉

Unsere Weiterreise in den Norden verlegen wir dann auf´s Wasser…anstatt wieder knapp 24 Stunden im Bus zu sitzen, buchen wir zwei kleine Kojen auf einer Fähre in Richtung Puerto Montt. Wir brauchen zwar etwas mehr Zeit und der Spaß ist auch etwas teurer, aber es hat sich wirklich gelohnt. Ausgeruht und dementsprechend gut erholt erreichen wir den Zielhafen in Puerto Montt. Von hier aus geht´s aber einen Tag später auch direkt weiter, wir haben doch keine Zeit! 😉 Nee, im Ernst, wir wollen noch bevor wir uns Santiago anschauen ein paar Tage am Meer ausspannen. Nach so viel Fahrerei haben wir uns das doch auch wirklich verdient, oder?

Da sind wir also nun, Vina del Mar an der Pazifikküste Chiles. Ausspannen ist angesagt, zumindest für drei Tage…und dann heißt es langsam hasta luego Südamerika, Neuseeland ruft. Ein kleines Fazit gibt´s natürlich zum Schluss auch, aber das packen wir in unseren letzten Bericht über Südamerika, Santiago de Chile.

Grüße aus dem sonnigen und endlich wieder warmen Chile,

Ela und Seb

PS: Sorry für die langen Wartezeiten für den neuen Bericht, aber irgendwie ist in Chile nicht alles so auf Tourismus eingestellt wie in Argentinien. Das macht sich dann auch beim Internet bzw. WIFI bemerkbar. Aber zum Glück bei den Preisen auch, da freut sich unsere Reisekasse!



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4 Antworten zu “Ich war noch niemals…”

  • Micha sagt:

    Es sind wirklich sehr sehr schöne Bilder, darf ich fragen mit welcher Cam diese gemacht worden sind.?

    Lg

  • Frank aus M. sagt:

    Hallo ihr beiden,
    ich habe gerda edaran gedacht, dass ihr jetzt schon 4 Monate weg seid. Wahnsinn wie die Zeit vergeht. Könnt ihr euch noch an Matschu Pitts Schuh erinnern? Ich hoffe doch, die Bilder sind der Hammer. Ich konnte nie verstehen, warum meine Schwiegereltern (beide über 70) unbedingt da hin wollten. Jetzt weiss ichs.
    Gruß aus Mainz – Frank

  • Thommy sagt:

    Mensch Theis mach mal, ich geb dir noch en paar Feuerzeuge von mir, meinen Segen hast du. Das wäre doch genial. Nach der Winterreifen Pflicht jetzt noch die Reifen verbrenn Pflicht oder so ähnlich. Da freut sich der kleine Reifen Thommy aber.

    Wie immer tolle Bilder, toller Reise-Bericht. Ela u. Seb macht weiter so, dann haben wir hier im nass kalten Saartal auch etwas von eurer Weltreise.
    Tschüüüüüüüsssssssssss bis zum nächsten Bericht.

    Thommy, Margit, Jule u. Ina

  • Theis sagt:

    Tja ihr zwei, warum soll es euch mit den Spritpreisen besser gehen als uns??
    Der Unterschied ist nur, dass wir immer schön nicken und keine Reifen anzünden, sollten wir ev. auch mal ausprobieren!!

    Steffi hat mich die letzte Zeit immer wieder genervt, dass ich sie mal wieder teuer ausführen sollte…..
    „Kein Problem“, hab ich zu ihr gesagt, …“setz dich ins Auto wir fahren tanken…“ 😉

    So ist das halt, aber ich hoffe dass ihr euer Ziel den Flughafen in Santiago gut erreicht und dann gut in den Armen der lieben Zombie landet.

    Gruß Theis

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