Winterwonderland…und das bei 30°C!?!

15 12 2010

Alles weiß um uns herum, totale Stille, die Sonne glitzert auf dem Boden und macht alles so hell, dass offene Augen ohne Sonnenbrille unmöglich sind… Das klingt sehr nach Winterwonderland, nur die Temperaturen, die passen nicht so ganz!

Unser nächstes Ziel macht es möglich, die Salar de Uyuni. Sie ist bei einem Bolivienbesuch einfach das absolute Muss und es gibt unzählige Touren und Anbieter um diesen riesigen Salzsee zu besuchen. Eigentlich wollten wir in Tupiza starten, aber weil uns diese Camargo-Sache dazwischen gekommen ist, starten wir nun den „typischen“ Weg, von der Wüstenstadt Uyuni aus eine 3-Tages Tour durch die Salar und Umgebung. Gleich am ersten Tag lernen wir diese unwirkliche Welt des Salzsees kennen. Wir besuchen ein Dorf, das komplett vom Salz lebt. Hier wird das Salz gewonnen, verarbeitet und verkauft. Außerdem natürlich den Touristen nähergebracht mit vielen Andenken die hier verkauft werden. Diese sind natürlich aus Salz und sogar die Häuser werden aus Salzklötzen gebaut, das trockene und warme Klima macht`s möglich. Wie immer in Bolivien ist die Arbeit hart, wird komplett von Hand erledigt und man wird nicht reich vom Lohn.

Danach geht’s mitten in die Salzwüste. Keine Ahnung wie schnell unser Jeep über die glatte weiße Fläche brettert, es gibt ja nichts an dem sich das Auge orientieren kann. Weit und breit nur weiß und ganz verschwommen im Hintergrund wieder Berge der „normalen“ Welt!

Wir erreichen eine Insel im See, wie eine Fata Morgana liegt sie hier mitten im Weiß, dicht bewachsen von riesigen Kakteen und besiedelt von ein paar Lamas. Nach einer Erkundung der Insel wenden wir uns den besonders wichtigen Dingen zu: den berühmten Fotos im Salar. Denn hier verschwindet der Raum nahezu vollständig, schließlich gibt es nichts außer weiß, und was man dann so anstellen kann, könnt ihr in den Fotos sehen… Wir hatten auf jeden Fall eine Menge Spaß! 😉

Übernachtet wurde dann im Salzhotel. Wände, Tische, Stühle und Betten aus Salz, alles außer der Kloschüssel… Obwohl es nachts empfindlich kalt wurde, hatten wir drinnen ein richtig nettes Klima, dank Salz!

Am zweiten Tag verlassen wir den Salar und erleben wie vielseitig Sand sein kann. Wüste ist nicht gleich Wüste und der Wind kann Dinge formen die faszinierender sind als jede Architektur. Bizarre Gesteinsformationen, Sand und Stein in allen Qualitäten und Farben. Jeder Stein hier ist anders und die meisten sind mit harten, trockenen Korallen überzogen, weil nicht nur die Salzwüste, sondern dieser ganze Landschaftsstrich vor vielen Jahren unter Wasser lag. Einige Lagunen zeugen noch heute davon und strahlen in verschiedenen Farben dank der gelösten Mineralien und der Mikroorganismen. Den letzteren sind auch die schönsten Bewohner dieser Gegend zu verdanken, denn wir können an diesem Tag gleich drei Flamingoarten bewundern. Am Nachmittag sind wir uns alle einig, dass dieser Tag einfach zu viel für die Augen ist! 🙂

Der dritte Tag beginnt für uns um halb 5, jawohl liebe arbeitenden Freunde zu Hause, wir müssen auch mal früh aufstehen! Allerdings werden wir auch gleich dafür belohnt mit einem Sonnenaufgang bei heißen Quellen und blubberndem Matsch und auf ca. 5.000 Metern Höhe. Entsprechend eingefroren bewundern wir die Landschaft und Frühstücken endlich bei heißen Quellen in denen man auch baden kann. Nach weiteren Flamingos und anderen Wüstentieren endet diese unglaubliche Tour für uns nahe der chilenischen Grenze. Wir haben die Chance ergriffen gleich nach Chile einzureisen, anstatt wieder an unseren Startpunkt zurückzukehren.

Die Einreise nach Chile verläuft einfacher als gedacht und nur 2 h Busfahrt entfernt ist man in einer komplett anderen Welt! Plötzlich sind alle Hostels sauber und perfekt hergerichtet. Die Menschen sehen fast aus wie in Europa und die Preise leider auch! Das ist also Chile. Natürlich freuen wir uns über verlässliche Busse und asphaltierte Straßen, aber so ganz ohne die chaotisch bunte Welt von Ecuador, Peru und Bolivien ist Reisen doch etwas Anderes!

Naja, erst mal verbringen wir sowieso nur 2 Tage in Chile in San Pedro de Atacama und erkunden per Rad diese weitere Wüstenlandschaft. Auch hier ist alles völlig unwirklich und wunderschön! Aber wie gesagt, in den nächsten Tagen wartet auf uns erst einmal Argentinien und nach Chile werden wir erst später zurückkehren…

Liebe Grüße ins verschneite Deutschland, Ela und Seb



Todo es possible – nada es seguro!

12 12 2010

„Alles ist möglich – nichts ist sicher“. Diesen Satz haben wir seit Ecuador von den Einheimischen immer wieder zu hören bekommen, gefolgt von einem breiten Grinsen!

Wie wahr dieser Satz vor allem in Bolivien ist, haben wir seit unserer Ankunft in Sucre miterlebt. Erst mal waren wir sehr überrascht, denn die sonst immer als zurückhaltend geltenden Bolivianer sind in Sucre einfach (wie der Name schon sagt) zuckersüß. Nie bekamen wir auf einem Markt so viel angeboten zum probieren, nie waren die Leute so gesprächig und so offen. Und gleichzeitig ist alles einfach verrückt! Unser Taxi-Fahrer ist ein Geschichtsprofessor, der uns einen Schnellkurs in Boliviens Traditionen gibt. Im Park müssen wir im Hochzeitsfilm eines Brautpaares einen Gastauftritt absolvieren. Eine Kultur- und Tanzvorstellung, für die wir schon Tickets gekauft und Plätze reserviert haben, findet plötzlich doch nicht statt. Und bei einem Besuch auf dem Markt in Tarabuco ist erst die Strasse gesperrt wegen eines Auto-Rennens von Jugendlichen, dann bleibt der Bus stecken im Matsch der Umleitung, wir verspäten uns, und dann regnet es so sehr dass wir nur eine halbe Stunde auf dem Markt verbringen, bei ca. 2,5 Stunden Anreise.

Die Krönung allerdings stellt unser Ausflug ins Weinanbaugebiet bei Camargo dar. In Sucre sagte man uns, obwohl es ein kleineres Gebiet sei als das bekannte Tarija, habe es mehr Tradition und die besten Weine Boliviens kämen hier her. Außerdem soll es (auch laut Karte) auf unserem Weg Richtung Grenze liegen. Als wir nach 6 h Busfahrt (ein Höllentrip) endlich ankommen, müssen wir feststellen dass Camargo, zumindest im Umland der Stadt, weniger Weinberge hat als die Stadt Konz. Wir sehen keinen! Außerdem geht von hier kein Bus in unsere Richtung, es gibt keine Möglichkeit für Touristen an Bargeld zu kommen und als wir einen Wein in einem sogenannten Restaurant bestellen, bekommen wir einen Tropfen aus Tarija vorgesetzt! Es bleibt uns nichts anderes übrig als zurück nach Potosi zu fahren, den ganzen Weg…

Nada es seguro, zumindest das ist sicher in Bolivien! Aber zum Glück hat ja Potosi noch Spannendes zu bieten…

Potosi und der Ruhrpott Boliviens

Glück auf aus der höchsten Stadt der Welt! Potosi, eine Stadt die fasziniert aber auch gleichzeitig schockiert, eine typische Arbeiterstadt am Fuße des Cerro Rico. Was für uns Dortmund und Bochum sind, das ist für Bolivien Potosi. Hier wird seit über 500 Jahren Bergbau betrieben. War es zu Beginn der Förderung durch die Spanier überwiegend Silber, so sind es heute andere Mineralien welche die Arbeit im Berg weiterhin attraktiv machen. Die Arbeitsbedingungen sind allerdings katastrophal, es scheint als würde heute noch genauso gearbeitet wie in früheren Zeiten. Wie die tägliche Arbeit der Mineros so aussieht, davon kann man sich bei einer geführten Tour „durch“ den Cerro Rico selbst überzeugen und das sollte man sich nicht entgehen lassen. Zunächst einmal geht´s am frühen Morgen ab auf den Straßenmarkt der Minenarbeiter, ein paar nette Aufmerksamkeiten für die hart schuftenden Kumpel müssen natürlich sein. Wir kaufen also Coca-Blätter, Saft und na klar, Dynamit! Ja, für umgerechnet 2 Euro gibt´s ne Stange Dynamit inkl. Zündschnur und Detonator.

Anschließend wurden uns die verschiedenen Abläufe bei der Verarbeitung der Mineralien erklärt. Wirklich interessant ist, dass Boliviens Industrie selbst keine Verwendung für die geförderten Mineralien hat und alles exportiert wird. Das die hart arbeitenden Mineros davon recht wenig haben, ist wohl jedem klar. Der Tagesverdienst liegt bei ca. 4 Euro am Tag. Beim anschließenden Minenbesuch inkl. voller Ausrüstung wurde uns klar, dass dieser Verdienst nichts anderes als ein Hohn ist. Mit Hammer und Meißel wird der Berg bearbeitet, mal abgesehen von den gesundheitlichen Risiken, die die Arbeit mit sich bringt. Dementsprechend werden die Minenarbeiter auch meist nicht älter als vierzig oder fünfzig Jahre und Kinderarbeit ist hier übrigens kein Fremdwort. Nach Schätzungen sollen im Cerro Rico in den vergangenen 500 Jahren ca. 8 Millionen!!! Menschen umgekommen sein, eine unglaubliche Zahl. Aus diesem Grund trägt der Cerro Rico auch den Namen „Berg, der Menschen frisst“.

Die knapp zwei Stunden in der Mine waren wirklich beeindruckend und beängstigend zugleich. Wir können uns einfach nicht vorstellen, wie unter diesen Bedingungen gearbeitet werden kann. Wir hoffen die Bilder geben euch einen kleinen Eindruck davon. Ach so, der kleine nette rote Mann heißt übrigens Tio. Die Mineros beten ihn an und opfern im gelegentlich verschiedene Dinge wie Coca-Blätter, Zigaretten oder auch Alkohol (96% bolivianischer „Whiskey“, ein ganz feines Getränk 🙂 , wir haben´s probiert). Sie erhoffen sich dadurch Schutz bei der Arbeit in der Mine, unter anderem bei den vielen Sprengungen im Berg. Wir haben selbst zwei kleine Sprengungen durchgeführt und die haben uns definitiv gereicht. Die Rückkehr ans Tageslicht war wirklich angenehm und so schnell werden wir hierher sicherlich nicht zurückkehren.

Es gibt übrigens einen sehr interessanten Film über die Minenarbeiter in Potosi, „The Devil´s Miner“. Wenn ihr also etwas mehr über die Arbeit im Cerro Rico erfahren wollt und euch live in Farbe anschauen wollt wo wir uns so rumtreiben, leiht euch die DVD aus, absolut empfehlenswert!

PS: Die Bilder aus dem Dschungel findet ihr jetzt ebenfalls in der Bildergalerie.



Francisco Javier Ochoa Riviero

4 12 2010

…so heißt der kleine Kerl, den wir seit ca. 2 Jahren über die Hilfsorganisation World Vision unterstützen. Natürlich war uns schnell klar, dass wir unsere Südamerika-Reise mit einem Besuch bei ihm und seiner Familie verbinden. Die Anreise war mal wieder etwas beschwerlich und insgesamt 24 Stunden lang, denn natürlich wohnt „unser“ Francisco nicht in einem netten Appartement in einer bolivianischen Großstadt.

Beim zuständigen Büro in der Kleinstadt Camiri angekommen, stellte man uns zunächst einmal per Diavortrag! ausführlich das von uns unterstützte Projekt vor und die bisher umgesetzten Maßnahmen. Das gesamte Projektteam wurde uns vorgestellt und jeder einzelne Mitarbeiter erklärte uns sein Aufgabengebiet und wie lange er bereits dort arbeitet. Wir hatten wirklich nicht mit so viel Aufmerksamkeit gerechnet, waren aber wirklich froh so umfangreich über die Arbeit aufgeklärt zu werden. David, der Projektleiter, erzählte uns später dann auch, dass wir erst die zweiten Besucher in diesem Jahr sind. Die einzelnen Maßnahmen hier nun zu nennen wäre sehr umfangreich, aber grundsätzlich stehen Themen wie Gesundheit, Bildung, Hilfe bei der Landwirtschaft usw. auf der Agenda. In den letzten beiden Jahren wurde das betreute Dorf z.B. mit zwei Wassertanks ausgestattet, damit ist die Wasserversorgung für immerhin 1.000 Einwohner sichergestellt. Zurzeit wird eine zweite Schule gebaut und somit ein Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule gewährleistet. Bisher mussten die Kinder immer in einen weit entfernten Ort gebracht werden um die weiterführende Schule zu besuchen, was für einige Familien allerdings nicht möglich war. Ein fahrbarer Untersatz steht hier in den seltensten Fällen zur Verfügung.

Francisco, 6 Jahre alt, zwei Geschwister, ist ein sehr schüchterner kleiner Kerl. Aber wir hatten ja auch nicht erwartet, dass er uns gleich in die Arme springt. Er wohnt gemeinsam mit seiner Mutter bei seinen Großeltern. Das reicht allerdings noch nicht, denn in dem kleinen Häuschen müssen noch weitere Onkel und Tanten inkl. Kinder unterkommen, so grob überschlagen sind´s dann wohl so um die 15 Personen auf ca. 60m². Da Francisco lt. unseren Infos gerne Fußball spielt (braver Junge!) haben wir vor unserem Besuch noch einen neuen Ball gekauft. Er hat sich natürlich riesig gefreut, ich musste allerdings beim anschließenden Spiel feststellen, das er sich vielleicht doch noch eine weitere Sportart aussuchen sollte 😉 . Ela meinte dann, dass er aber doch sehr gut malen könnte…so wünscht man sich „seinen“ Jungen doch, oder? 🙁

Während unseres kleinen Kicks wurde vom Rest der Familie das Essen zubereitet. Franciscos Opa erzählte uns, dass solch ein Essen (Fleisch, Kartoffeln, Möhren und Reis) immer zu besonderen Anlässen zubereitet wird. Nach dem Mittagessen wurden wir durch das Dorf geführt, uns wurde die alte und neue Schule gezeigt und die weiteren Maßnahmen die bisher umgesetzt wurden. Danach hieß es dann leider Abschied nehmen und ein wirklich bemerkenswerter Tag ging zu Ende. Selbst heute, also einige Tage danach, denken wir noch oft an unseren Besuch. Eine so große Familie, die trotz der begrenzten Möglichkeiten und der nicht vorhandenen finanziellen Mittel nicht weniger glücklich erscheint als wir und uns mit solcher Gastfreundschaft begegnet ist. Wir sind wirklich froh darüber, diese Erfahrung gemacht zu haben und wer weiß, vielleicht können wir unseren Besuch ja irgendwann wiederholen…

Nach einer weiteren Nacht in Camiri sind wir gestern Morgen in Sucre, der Hauptstadt Boliviens angekommen. Aber auch dieses Mal war der Weg wieder das Ziel, denn die Straße von Camiri nach Sucre ist nicht geteert! 15 Stunden Nachtfahrt standen uns also bevor und als wir dann unseren Bus gesehen haben, war´s um uns geschehen. Wir sind uns ziemlich sicher, das die Spanier ihn bei der Entdeckung Südamerikas im 15. Jahrhundert mitgebracht haben…es kann eigentlich nicht anders sein. Naja, das kann ja heiter werden! Als dann kurz nach dem Start auf meinem IPod das Lied „Dieser Weg“ (…wird kein leichter sein…) von Xavier Naidoo lief, konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Alle zwei bis drei Stunden wurde pausiert (Pinkelpause!!!), mal abgesehen von den Pausen mitten im Nirgendwo als der Busfahrer mit einem Hammer bewaffnet unter das linke Vorderrad krabbeln musste. Nach 4-5 Schlägen konnte die Reise aber dann problemlos weitergehen. Aber…wir sind angekommen, zwar etwas übermüdet, dafür aber um eine Erfahrung reicher. Dieses letzte Busabenteuer könnt ihr zu Hause übrigens einfach nachmachen, kauft euch einen alten VW Bulli und fahrt 15 Stunden durch den „Steinbruch“ in Taben-Rodt. Beweise inkl. Foto können uns per E-Mail übermittelt werden 😉

Lg aus Sucre, Ela und Seb



Frischfleisch im Dschungel

2 12 2010

So oder so ähnlich kamen wir uns vor in den letzten Tagen…

Aber erst mal muss man ja in den Dschungel kommen. Da die Busfahrt nach Rurrenabaque, den Startpunkt aller Touren, nicht besonders angenehm sein soll und außerdem 24 Stunden Fahrzeit in Anspruch nimmt, haben wir uns entschieden zu fliegen. Die Flüge waren relativ günstig und der Flug über den Dschungel soll an sich schon das Geld wert sein. Also buchen wir mit zwei verschiedenen Gesellschaften den Flug in und aus dem Dschungel. Schon beim ersten Flug (es war der teurere von beiden) komme ich mir vor wie im falschen Film als ich das Flugzeug sehe. Kleine Maschine hieß es vorher, aber dass überhaupt nur Platz für 20 Personen ist und man im Gang nicht mal annähernd stehen kann, das haben wir uns nicht gedacht. Mit diesem Spielzeugflieger ging es also in die Luft und jedes Luftloch wurde zu einer Runde Free-Fall-Tower. Seb hat dieses besondere Erlebnis genossen, ich habe beschlossen dass der Satz „ich fliege gerne“ so schnell nicht mehr aus meinem Mund kommen wird. Ich war einfach nur froh als wir an der Hütte namens Flughafen in Rurrenabaque auf der (seit Kurzem auch geteerten) Landebahn aufgesetzt haben…

Unsere erste Tour startete am folgenden Tag in die Pampas, eine Sumpf- und Flusslandschaft im Dschungel. Bis zum Fluss brachte uns ein sehr alter Jeep der ohne auch nur eine funktionierende Anzeige und ohne Schlüssel im Zündschloss funktionierte. Auf den ungeteerten Straßen wurde die Fahrt bei starkem Regen zur Rutschpartie, und nach einer Stunde Fahrzeit brach der erste Reifen. Ja, er brach, besser gesagt, die Felge. Aber nach einem schnellen Reifenwechsel (das scheint hier dazu zu gehören) und 2 weiteren Stunden abenteuerlicher Fahrt kamen wir endlich am Ausgangspunkt der Tour an. Hier sahen wir auch was uns die nächsten drei Tage erwarten würde: Hungrige Moskitos! Und nicht nur ein paar, nein, so viele Moskitos hatten keiner unserer Gruppe zuvor gesehen.

Mit einem Bötchen schipperten wir nun vorbei an kleinen und großen Kaimanen die am Ufer lauerten, bunten Vögeln, Affen in den Bäumen und natürlich goldigen Capabaris?!? (Flussschweinen). Immer begleitet von einer Wolke Moskitos war diese Fahrt trotzdem unglaublich schön! Die nächsten Tage verbrachten wir mit einer Anaconda-Suche durch die Sumpflandschaft (zu Fuß – und wir haben sogar eine Anaconda gefunden!), Sonnenunter- und Aufgängen und vielen Bootsfahrten um Tiere zu beobachten und pinke Flussdelphine zu finden. Wir waren bei allem erfolgreich, außer beim Piranha-fischen, aber ich brauchte auch wirklich nicht noch mehr Tiere für die wir Frischfleisch waren! Die Moskitos haben uns nach drei Tagen wirklich gereicht, denn die kleinen Plagegeister können einem schon auf die Nerven gehen über 24 Stunden am Tag!

Unsere zweite Tour ging nun mitten rein in den Dschungel, Gott sei Dank nicht mit dem Jeep (auf der Rückfahrt war ein anderes Rad platt) sondern mit dem Boot. Auf dem Rio Beni genossen wir 3 Stunden Fahrt, ohne Moskitos und mit Sonnenschein! Eine wunderschöne Landschaft trug ihren Teil dazu bei. Im Camp selbst erwarteten uns aber die nächsten hungrigen kleinen Vampire: die Sandflies! Die bemerkt man kaum und am nächsten Tag kann man sich nur über die vielen neuen Stiche wundern! Im Dschungel bekamen wir sonst vor allem Insekten zu Gesicht. Bunte Schwärme von Schmetterlingen, riesige Käfer im Schlafraum oder auch Grillen und Riesenheuschrecken. Auf Wanderungen rund um das Camp konnten wir viel über Überlebens- und Heilmethoden mit Hilfe der Pflanzen erfahren und haben am eigenen Leib erlebt was es heißt den Weg aus den Augen zu verlieren im Dschungel (wenn auch nur für kurze Zeit). Denn hier sieht alles gleich aus – keine Chance zur Orientierung und ohne Führer einfach unmöglich! Mit einer Dusche unterm Wasserfall wurde unsere Tour abgeschlossen und wir können sagen dass sich beide Touren wirklich gelohnt haben! Dank vieler kleiner roter Punkte am ganzen Körper werden sie uns auch in den nächsten Tagen im Gedächtnis bleiben…

PS: Die zurzeit etwas laengeren Wartezeiten liegen am bolivianischen Internet, das Hochladen der Bilder ist hier manchmal eine wirkliche Kunst. Die Redaktion bittet um Verstaendnis! 🙂 Der Link zu den Bildern vom See und der Dschungeltour wird schnellstmoeglich eingestellt.



Die Vögelein, die Vögelein..

23 11 2010

..vom Titicacasee, die strecken wenn die Sonn´ aufgeht ihr Schwänzchen in die Höh´. Naja zugegeben, so schwer war unser Rätsel dieses Mal nicht. Aber trotzdem lieber Elmi Glückwunsch, du warst eben der Schnellste! Zum zweiten Mal geht der Tagessieg also nach Schoden. Unser Reiseziel war also der Titicacasee, wobei der Weg dorthin nicht so einfach war. Wie immer gings´s für uns mit dem Nachtbus weiter. Erstes Ziel war Puno, eine Stadt von der Größe Triers auf der peruanischen Seite des Titicacasees. Wir hatten die Rechnung allerdings ohne die Peruaner gemacht, kurz vor dem Ortseingang wurde zunächst einmal gestreikt und die Straße mit großen Steinen auf einer Länge von ca. 3 km versperrt. Also, raus aus dem Bus, Rucksack auf und den Rest zu Fuß. Wir hatten allerdings nicht nur unseren Rucksack zu tragen, sondern auch zwei Kisten mit Hühnern!?!…ja ihr hört richtig Hühner! Die nette Peruanerin war uns natürlich sehr dankbar für die Transporthilfe und wir konnten uns zwischendurch ein Lächeln nicht verkneifen. Das sind wohl die Geschichten, die das Reisen so schreibt. In Puno angekommen sollte die Reise aber gleich weitergehen, denn unser Reiseziel war Copacabana (nein, nicht Brasilien!) auf der bolivianischen Seite des Sees. Auch hier war die Sache allerdings nicht so einfach, denn unsere Busgesellschaft hatte vergessen unsere Reservierung weiterzugeben. Der Bus war natürlich rappelvoll und es waren nur noch zwei Plätze frei. Da wir aber seit gut einer Woche zu viert (Marion und Timo aus dem schönen Westerwald) unterwegs sind, hatten wir also ein Problem. Schlussendlich saßen Timo und ich (Seb) dann neben dem Busfahrer und die Mädels auf den beiden Restplätzen. Der Grenzübergang war dann ziemlich problemlos und so kamen wir dann doch noch nach 14 Stunden Fahrt in Copacabana an.

Der Titicacasee, schwer zu beschreiben, 15 Mal!!! so groß wie der Bodensee auf einer Höhe von ca. 3.800 m, eine Fläche von 8.400 km² (wie groß ist das Saarland? 🙂 ), der absolute Wahnsinn. Nach einem gemütlichen Tag in Copacabana, ging´s am nächsten Morgen mit dem Boot auf die Isla del Sol. Hier soll nach der Mythologie der Inka, der bärtige Gott Viracocha aus Steinen der Insel die Sonne geformt haben (is´ klar!). Außerdem sollen die ersten beiden Inka von hier aus losgezogen sein, um in Cusco das Inka-Reich zu gründen.

Traumhafte Aussichten

Traumhafte Aussichten

Marion, Timo und wir

Marion, Timo und wir

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Mittelmeerfeeling auf 3.800m

Wir wandern einen ganzen Tag über die Insel und genießen die Landschaft und die vielen schönen Ausblicke auf den See und die umliegenden Berge. Wir müssen allerdings auch feststellen, dass die Inselbewohner uns Touris für jede Kleinigkeit zur Kasse bitten. Es sind zwar immer kleine Beträge, aber irgendwie ist das schon ein bissl nervig. Nach einer wirklich ruhigen Nacht auf der Insel –außer uns war dort fast niemand- geht´s am nächsten Morgen wieder zurück zum Festland und direkt weiter mit dem Bus nach La Paz.

La Paz, Boliviens Regierungssitz (aber nicht Hauptstadt, das ist Sucre) und eigentlich zum ersten Mal eine Stadt wie wir sie uns in Südamerika vorgestellt haben, hier herrscht das organisierte Chaos. Die ganze Stadt scheint ein einziger Markt zu sein. Zuerst sind wir etwas überfordert aber irgendwie gefällt uns diese Stadt und die günstigen Preise sowieso.

Nach zwei Tagen verlassen wir La Paz allerdings wieder, wir haben für die kommenden fünf Tage eine Tour durch das Amazonasbecken Boliviens gebucht, heißt also Regenwald, wilde Tiere und jede Menge Natur. Zum ersten Mal tauchen wir auf unserer Reise in diese Welt ein und sind sehr gespannt was uns erwartet. Rurrenabaque heißt unser Zielort, für Alle die mal im Atlas nachschlagen wollen. Wie meinte damals schon Axel Rose (die Älteren von euch werden ihn sicherlich noch kennen 🙂 , „Welcome to the Jungle!“

Lg aus Bolivien, Ela und Seb

PS: Weitere Bilder vom Titicacasee gibt´s nächste Woche in der Bildergalerie.