Todo es possible – nada es seguro!

12 12 2010

„Alles ist möglich – nichts ist sicher“. Diesen Satz haben wir seit Ecuador von den Einheimischen immer wieder zu hören bekommen, gefolgt von einem breiten Grinsen!

Wie wahr dieser Satz vor allem in Bolivien ist, haben wir seit unserer Ankunft in Sucre miterlebt. Erst mal waren wir sehr überrascht, denn die sonst immer als zurückhaltend geltenden Bolivianer sind in Sucre einfach (wie der Name schon sagt) zuckersüß. Nie bekamen wir auf einem Markt so viel angeboten zum probieren, nie waren die Leute so gesprächig und so offen. Und gleichzeitig ist alles einfach verrückt! Unser Taxi-Fahrer ist ein Geschichtsprofessor, der uns einen Schnellkurs in Boliviens Traditionen gibt. Im Park müssen wir im Hochzeitsfilm eines Brautpaares einen Gastauftritt absolvieren. Eine Kultur- und Tanzvorstellung, für die wir schon Tickets gekauft und Plätze reserviert haben, findet plötzlich doch nicht statt. Und bei einem Besuch auf dem Markt in Tarabuco ist erst die Strasse gesperrt wegen eines Auto-Rennens von Jugendlichen, dann bleibt der Bus stecken im Matsch der Umleitung, wir verspäten uns, und dann regnet es so sehr dass wir nur eine halbe Stunde auf dem Markt verbringen, bei ca. 2,5 Stunden Anreise.

Die Krönung allerdings stellt unser Ausflug ins Weinanbaugebiet bei Camargo dar. In Sucre sagte man uns, obwohl es ein kleineres Gebiet sei als das bekannte Tarija, habe es mehr Tradition und die besten Weine Boliviens kämen hier her. Außerdem soll es (auch laut Karte) auf unserem Weg Richtung Grenze liegen. Als wir nach 6 h Busfahrt (ein Höllentrip) endlich ankommen, müssen wir feststellen dass Camargo, zumindest im Umland der Stadt, weniger Weinberge hat als die Stadt Konz. Wir sehen keinen! Außerdem geht von hier kein Bus in unsere Richtung, es gibt keine Möglichkeit für Touristen an Bargeld zu kommen und als wir einen Wein in einem sogenannten Restaurant bestellen, bekommen wir einen Tropfen aus Tarija vorgesetzt! Es bleibt uns nichts anderes übrig als zurück nach Potosi zu fahren, den ganzen Weg…

Nada es seguro, zumindest das ist sicher in Bolivien! Aber zum Glück hat ja Potosi noch Spannendes zu bieten…

Potosi und der Ruhrpott Boliviens

Glück auf aus der höchsten Stadt der Welt! Potosi, eine Stadt die fasziniert aber auch gleichzeitig schockiert, eine typische Arbeiterstadt am Fuße des Cerro Rico. Was für uns Dortmund und Bochum sind, das ist für Bolivien Potosi. Hier wird seit über 500 Jahren Bergbau betrieben. War es zu Beginn der Förderung durch die Spanier überwiegend Silber, so sind es heute andere Mineralien welche die Arbeit im Berg weiterhin attraktiv machen. Die Arbeitsbedingungen sind allerdings katastrophal, es scheint als würde heute noch genauso gearbeitet wie in früheren Zeiten. Wie die tägliche Arbeit der Mineros so aussieht, davon kann man sich bei einer geführten Tour „durch“ den Cerro Rico selbst überzeugen und das sollte man sich nicht entgehen lassen. Zunächst einmal geht´s am frühen Morgen ab auf den Straßenmarkt der Minenarbeiter, ein paar nette Aufmerksamkeiten für die hart schuftenden Kumpel müssen natürlich sein. Wir kaufen also Coca-Blätter, Saft und na klar, Dynamit! Ja, für umgerechnet 2 Euro gibt´s ne Stange Dynamit inkl. Zündschnur und Detonator.

Anschließend wurden uns die verschiedenen Abläufe bei der Verarbeitung der Mineralien erklärt. Wirklich interessant ist, dass Boliviens Industrie selbst keine Verwendung für die geförderten Mineralien hat und alles exportiert wird. Das die hart arbeitenden Mineros davon recht wenig haben, ist wohl jedem klar. Der Tagesverdienst liegt bei ca. 4 Euro am Tag. Beim anschließenden Minenbesuch inkl. voller Ausrüstung wurde uns klar, dass dieser Verdienst nichts anderes als ein Hohn ist. Mit Hammer und Meißel wird der Berg bearbeitet, mal abgesehen von den gesundheitlichen Risiken, die die Arbeit mit sich bringt. Dementsprechend werden die Minenarbeiter auch meist nicht älter als vierzig oder fünfzig Jahre und Kinderarbeit ist hier übrigens kein Fremdwort. Nach Schätzungen sollen im Cerro Rico in den vergangenen 500 Jahren ca. 8 Millionen!!! Menschen umgekommen sein, eine unglaubliche Zahl. Aus diesem Grund trägt der Cerro Rico auch den Namen „Berg, der Menschen frisst“.

Die knapp zwei Stunden in der Mine waren wirklich beeindruckend und beängstigend zugleich. Wir können uns einfach nicht vorstellen, wie unter diesen Bedingungen gearbeitet werden kann. Wir hoffen die Bilder geben euch einen kleinen Eindruck davon. Ach so, der kleine nette rote Mann heißt übrigens Tio. Die Mineros beten ihn an und opfern im gelegentlich verschiedene Dinge wie Coca-Blätter, Zigaretten oder auch Alkohol (96% bolivianischer „Whiskey“, ein ganz feines Getränk 🙂 , wir haben´s probiert). Sie erhoffen sich dadurch Schutz bei der Arbeit in der Mine, unter anderem bei den vielen Sprengungen im Berg. Wir haben selbst zwei kleine Sprengungen durchgeführt und die haben uns definitiv gereicht. Die Rückkehr ans Tageslicht war wirklich angenehm und so schnell werden wir hierher sicherlich nicht zurückkehren.

Es gibt übrigens einen sehr interessanten Film über die Minenarbeiter in Potosi, „The Devil´s Miner“. Wenn ihr also etwas mehr über die Arbeit im Cerro Rico erfahren wollt und euch live in Farbe anschauen wollt wo wir uns so rumtreiben, leiht euch die DVD aus, absolut empfehlenswert!

PS: Die Bilder aus dem Dschungel findet ihr jetzt ebenfalls in der Bildergalerie.