Alice, die Einsame, und Darwin, der Schwitzende

5 05 2011

Alice Springs, die Stadt mitten im Outback. Eigentlich unvorstellbar wenn man so lange durch das “Nichts“ fährt, dass man sich einfach plötzlich in einer Stadt wiederfindet, mit großen Supermärkten, Läden und natürlich Mc Donalds. Wie auch die Umgebung ist Alice Springs überhaupt nicht so kahl wie erwartet, im Gegenteil, es gibt Bäume und grüne Wiesen!

Es gab viel Regen in den letzten Wochen und deshalb ist auch das Wasserloch das Alice Springs den Namen gegeben hat alles andere als trocken. Alice war übrigens die Frau des Postministers von Südaustralien und einer seiner Mitarbeiter hat die vermeintliche Quelle nach ihr benannt. Wenn da mal nicht was im Busch war…  😉

Die Freude über die Zivilisation wird allerdings hier merklich getrübt, denn mehr als in den großen Städten an der Ostküste wird der Alltag auch vom Leben der Aborigines beeinflusst. Während deren Kultur über die Grenzen des Kontinents hinweg bekannt ist und ihre Kunst weltweit beliebt ist, stehen hier in den vielen Galerien ausschließlich Weiße, die die Bilder und Malereien verkaufen. Die Aborigines sitzen in Parks, in Supermärkten oder auf Parkplätzen und scheinen nichts mit ihrer Zeit anfangen zu können. Während es immer noch intakte Stämme im Outback gibt, sieht man in den Städten vor allem das Leid dieser Menschen, die zwischen ihrer Kultur und der der Weißen keinen rechten Weg zu finden scheinen. Alkohol ist der tägliche Begleiter und schon die scheinbar unfreundliche Art der Ureinwohner macht uns Touris etwas Angst. Kein Lächeln, die Konversationen werden meist mit voller Wucht ihres Stimmorgans gehalten und der Geruch der ein Leben unter der heißen Sonne des Outbacks mit sich bringt, passt so gar nicht in unsere westliche Welt. Aber kann man diesen Menschen daraus einen Vorwurf machen? Wir haben uns mit diesem Thema ein wenig beschäftigt, weil wir überrascht waren, von dem scheinbaren Elend der ehemaligen Herren über dieses Land. Ob es sich dabei tatsächlich um fremd- oder selbstverschuldetes Leid handelt, oder ob man hier überhaupt von Leid sprechen kann, können wir auch nicht beantworten. Aber diese Seite von Australien haben wir in keinem Reisebericht gelesen…

Aber noch etwas bringt das Leben der Aborigines und anderer Australier im Outback mit sich, nämlich die Frage nach medizinischer Versorgung wenn weit und breit kein Arzt zu finden ist. Hierfür gibt es den Royal Flying Doctor Service und deren Station in Alice schauen wir uns an. Es hat etwas von Hollywood Helden wie uns die fliegenden Ärzte präsentiert werden, doch das ist das wahre Leben und diese Männer und Frauen stellen die Versorgung von über 36.000 Personen auf sage und schreibe 2,3 Millionen km² sicher. Wir waren jedenfalls wirklich begeistert, schließlich passen die auch auf uns auf, falls wir sie brauchen…  🙂

Ebenfalls zum Outback gehören nun mal alle Arten von Schlangen, Echsen und Krabbeltieren. Wir sind nur bei den Echsen und Schlangen geblieben, aber dafür haben wir die ganz nah ran gelassen, wie ihr in unseren neuen Passfotos sehen könnt !  😉

Von Alice aus lassen wir diesmal wieder einen Busfahrer fahren, aber Moment mal, ist das auch der Postbote? Wie sagt unsere neue Reisebegleitung Silke: Man merkt dass man im Outback ist, wenn der Überlandbus alle halbe Stunde an einer Farm stoppt und die Post abgibt! Das wussten wir auch noch nicht! 😀

Nach 22 h kommen wir in Darwin an, einer gaaanz anderen Welt! Die Einwohner bleiben teilweise die gleichen, werden aber noch tatkräftig von Asiaten aus allen Ecken des nächsten Kontinents unterstützt. Wen wundert`s, denn Darwin liegt schließlich näher an Indonesien als am Rest des eigenen Landes! Auch das feucht-warme Wetter und der urwaldgleiche Botanische Garten erinnern an die Tropen. Wenn jetzt auch die Preise asiatisch wären könnten wir glatt länger bleiben! 😉

Charles Darwin muss hier, als Namensgeber der Stadt,  einiges vorgefunden haben an Pflanzen, Tieren und Meeresbewohnern. Wir überzeugen uns davon im Museum, auch um der Hitze zu entkommen und werfen auch gleich einen Blick auf Sweatheart, das 5,1m lange ausgestopfte Krokodil, das einem dann doch einen Schauer über den Rücken jagen kann. Wegen dessen Familienmitgliedern und den vielen Quallen können wir hier das Meer nur an geschützten Stellen genießen, aber besser ein Stadtstrand als gar keiner! 😉

Eine ganze Woche verbringen wir hier, schließlich ist Ostern und es läuft nicht so viel… Und zum Abschluss haben wir uns etwas ganz Besonderes aufgehoben, der erste Mindil-Beach-Market des Jahres. Dieser Markt ist die Hauptattraktion der Trockenzeit, die mit unserer Ankunft angefangen hat. Und auch hier fühlt man sich gleich nach Asien versetzt. Kleine Garküchen, bunte Klamottenstände und viel Livemusik. Die Aborigines zeigen den Touris mal wie man mit den Hüften schwingt und zum Abschied gibt’s auch noch ein Feuerwerk! Da hat sich Darwin ja was für uns einfallen lassen! 😀

Jetzt kann die Reise weiter gehen, immer in Richtung Perth, wo Christinas Zweitwohnsitz auf uns wartet… 😉

Bis dahin, euch schöne Frühlingstage und liebe Grüße aus Darwin!

Seb und Ela